Kurzstand
Draußen zeigt das Thermometer sommerliche Höchstwerte. Drinnen glüht die Tastatur. Nicht wegen der Hitze, sondern weil mich eine ganz bestimmte Testleserin gleichermaßen in- wie extrinsisch motiviert. Ihre Nachrichten enden meist mit den Worten: „Wie geht’s weiter?“ oder „Wann bekomme ich mehr?“
Die Franzosen haben dafür eine schöne Redewendung: mettre la main à la pâte – wörtlich: die Hand in den Teig stecken. Gemeint ist, selbst anzupacken. Wir würden vermutlich sagen: Jetzt werden die Ärmel hochgekrempelt.
Genau so fühlt es sich gerade an.
Go Your Own Way ist inzwischen fertig geschrieben und wartet auf den nächsten Schritt Richtung Veröffentlichung.
Für mich bedeutet das allerdings keinen Stillstand. Im Gegenteil: Während das erste Manuskript seinen Weg sucht, wächst bereits die Fortsetzung.
When I Come Around hat inzwischen Kapitel 22 erreicht. Die erste Fassung nimmt immer klarere Formen an. Und ja: Die Tastatur glüht noch immer.
Woran ich gerade arbeite:
Aktuell schreibe ich Kapitel 22. Es ist Samstag am frühen Nachmittag in Travemünde. Ein Fahrzeug wird für die Unternehmungen des Tages beladen. Instrumente, Kabel, Taschen, Verstärker und jede Menge Gepäck wandern Stück für Stück aus der WG in den VW-Bus. Eigentlich nichts, was auf den ersten Blick nach einer besonders spannenden Szene klingt.
Werkstatt-Notiz:
Aus einer alltäglichen Situation eine lebendige Szene entstehen zu lassen. Denn während alle gemeinsam anpacken, kommen Gespräche in Gang, Figuren geraten aneinander, es wird gelacht, diskutiert und improvisiert. Fast unbemerkt wächst dabei das Gemeinschaftsgefühl. Nicht, weil es erzählt wird, sondern weil es sich zwischen den Figuren entwickelt.
Interessanterweise ist in der Kapitelübersicht der Plan klar: „Packen für den Nachmittag“. Doch ähnlich, wie beim Plan Einkaufen zu gehen, fehlt dem Text hier noch Esprit. Dinge aus dem Haus tragen und verstauen ist notwendig, aber literarisch erstmal nicht spannend. Also braucht es Interaktion und vielleicht noch ein Thema, an dem sich die Figuren reiben können. Und siehe da, wenn die Figuren einfach mal sie selbst sein dürfen, entwickelt sich beim Schreiben plötzlich eine eigene Dynamik.
Wenn der Chaot mit der organisierten Lehrertochter ein Auto belädt und dabei vom Social-Media-Nerd gefilmt wird, ist man beim Schreiben beinahe versucht, selbst das Popcorn herauszuholen.
Nächste Etappe:
Zunächst muss der Bus fertig beladen werden. Danach noch schnell umziehen und es geht für die Figuren ab an den Strand und für mich an die nächsten Kapitel. Es warten noch viele Begegnungen, Gespräche und Szenen darauf, geschrieben zu werden. Ich bin selbst gespannt, welche davon sich genau so entwickeln, wie ich sie geplant habe, und welche Figuren mich unterwegs wieder überraschen und welche Figuren unterwegs plötzlich ihren eigenen Weg gehen.
