Platte der Woche: Begin

The Millennium

Es gibt Alben, die nicht laut nach Aufmerksamkeit rufen und gerade deshalb einen bleibenden Zauber entfalten.
Begin von The Millennium gehört genau in diese Kategorie.

Als erste Flowerpower-Platte der Woche könnte es kaum passender sein. Dieses Album klingt wie ein Fenster in eine freundlich flirrende Parallelwelt der späten Sechziger: voller Harmoniegesang, fein gesponnener Arrangements und jener Experimentierfreude, die Psychedelia nicht als Lärm, sondern als Farbwechsel im Kopf versteht.

Wo andere Bands der Ära eher auf Verzerrung, Exzess oder Räucherwolken setzten, wählen The Millennium einen anderen Weg.
Begin ist verspielt, detailverliebt, luftig und zugleich raffiniert produziert. Das Album trägt den Westcoast-Geist in sich, aber nicht als Postkartenmotiv, sondern als kleine Studiowunderkammer.

Warum dieses Album zur Flowerpowerhour passt

Die Flowerpowerhour liebt genau solche Platten:
Alben, die nicht nur nach ihrer Zeit klingen, sondern auch von ihrem Aufbruch erzählen. Begin steht exemplarisch für eine Seite der späten Sechziger, die manchmal im Schatten der ganz großen Namen steht, aber gerade deshalb entdeckt werden will.

Hier treffen mehrere Dinge aufeinander:

  • Sunshine Pop mit Tiefenschärfe
  • Psychedelische Feinmalerei statt bloßer Effektshow
  • Harmoniegesang, der fast schwerelos wirkt
  • Studioarbeit als kreatives Instrument

Damit passt das Album ideal in einen Interpretenkosmos, der sich nicht nur auf die ganz großen Ikonen stützt, sondern auch unterschätzte Perlen der Ära sichtbar machen will.

Wie klingt Begin?

Am besten vielleicht so:
als hätten die Beach Boys, Left Banke und eine Handvoll verträumter Klangbastler beschlossen, gemeinsam ein Kaleidoskop zu vertonen.

Die Songs schweben oft, statt zu marschieren.
Sie blenden und glitzern nicht aufdringlich, sondern wie Sonnenlicht, das durch Gardinen fällt. Gleichzeitig steckt in vielen Arrangements eine fast bastlerische Lust am Detail. Genau das macht Begin so reizvoll: Es ist schön zugänglich, aber beim genauen Hinhören voller kleiner Überraschungen.

Anspieltipps

Prelude

Ein perfekter Einstieg in die Welt des Albums. Kurz, schimmernd, fast wie das Öffnen einer bunten Tür.

To Claudia on Thursday

Ein Stück mit jener Mischung aus Melodie, Leichtigkeit und leicht entrücktem Charme, die Begin so besonders macht.

It’s You

Zeigt, wie elegant The Millennium Pop-Sensibilität und psychedelische Atmosphäre verbinden können.

Warum man dieses Album heute noch hören sollte

Weil Begin an etwas erinnert, das in Musik manchmal verloren geht:
an die Freude am Staunen.

Dieses Album will nicht überwältigen. Es will verführen.
Nicht mit Pathos, sondern mit Farben, Texturen und Einfällen. Gerade deshalb funktioniert es auch heute noch erstaunlich gut. Es klingt nicht wie ein Museumsstück, sondern wie eine liebevoll gebaute Klanginsel, die man jederzeit wieder betreten kann.

In der Flowerpowerhour

In der Sendung laufen aus dieser Platte ein oder zwei ausgewählte Songs.
Die Idee dahinter: nicht einfach nur Titel anzuspielen, sondern Lust auf das ganze Album zu machen. Denn Begin ist eine dieser Platten, die im Zusammenhang noch stärker leuchten als in Einzelteilen.

Fazit

Begin von The Millennium ist ein idealer Auftakt für die Rubrik Die Flowerpower-Platte der Woche.
Ein Album für Entdecker, Tagträumer und alle, die Psychedelia nicht nur als Stil, sondern als Haltung hören möchten: offen, verspielt und ein bisschen entrückt.

Manche Platten marschieren durch die Tür.
Begin schwebt herein.