Kategorie: Schauplätze

Lübeck, Travemünde & Meer (Orte, Stimmung, Recherche, Mini-Locations)

  • Eine Reise als „Autoren-Recherche“

    Eine Reise als „Autoren-Recherche“

    Warum ich nach Lübeck gefahren bin

    Travemünde bei Nacht. Eigentlich nur eine Zwischenstation auf dem Weg nach Finnland. Für mich begann hier bereits die Rückkehr in die Welt von Go Your Own Way

    Die Anfänge von Go Your Own Way reichen zurück bis ins Jahr 1999. Damals fuhr ein 19-Jähriger mit dem Zug für ein Wochenende nach Travemünde. Kurz nach dieser Reise entstand die erste Idee zu einer Geschichte, die mit einer einfachen Frage begann:

    Was wäre gewesen, wenn …?

    Aus dieser Frage wurden erste Texte. Aus den Texten wurde ein Manuskript. Und viele Jahre später schließlich ein Roman.

    Als ich 25 Jahre später erneut nach Travemünde fuhr, waren mir viele Orte noch vertraut. Gleichzeitig wusste ich, dass Erinnerungen trügerisch sein können. So wie sich der kleine Laden an der Ecke oder das Postamt am Heimatort im Laufe der Jahre verändern, verändert sich auch eine Stadt.

    Hinzu kam eine Reise nach Finnland Anfang dieses Jahres. Die Fähre legte ausgerechnet in Travemünde ab.

    Allerdings mitten in der Nacht und gemeinsam mit meiner Familie. Für einen kurzen Moment war die Welt von Nick, Lucy und Miriam wieder ganz nah, doch für eine echte Spurensuche blieb keine Zeit.

    So entstand die Idee, noch einmal bewusst nach Lübeck und Travemünde zu reisen. Nicht nur, um Fotos zu machen oder Straßennamen zu überprüfen.

    Die Priwall-Fähre: 5 Minuten Überfahrt, die Nick und Miriam für instive Gespräche nutzen

    Sondern um die Atmosphäre wiederzufinden, aus der Go Your Own Way entstanden ist. Den Wind am Meer. Die Wege entlang der Trave. Die Fähren. Die Musik. Und das Gefühl, dass hinter der nächsten Kurve vielleicht ein kleines Abenteuer wartet.

    Zurück an die Schauplätze

    Eigentlich begann die Reise schon einige Wochen früher.

    Auf dem Weg nach Finnland fuhr ich nachts über dieselben Autobahnen, die auch Nick in Go Your Own Way entlangfährt. Je weiter die Strecke nach Norden führte, desto vertrauter fühlte sich vieles an. Die Raststätten. Die langen Abschnitte im Dunkeln. Das Gefühl, unterwegs zu sein, während der Rest der Welt schläft.

    Irgendwo zwischen Süddeutschland und der Ostsee musste ich mehrfach an die Szene denken, in der Nick der Anhalterin Lucy begegnet. Es waren genau die Orte, an denen sie hätte stehen können.

    Hier beginnt für mich die Welt von Lucy. Aus einem realen Stadtteil wurde nach und nach ein Schauplatz des Romans.

    Kurz vor Hamburg geriet ich in einen Schneesturm. Die Sicht wurde schlechter, die Fahrbahn verschwand zeitweise hinter wirbelnden Flocken. Unwillkürlich musste ich an die Regenszene in Nicks Ente denken. An diese Mischung aus Freiheit und leichtem Kontrollverlust, die lange Autofahrten manchmal mit sich bringen.

    Die eigentliche Spurensuche begann jedoch erst einige Wochen später.

    Diesmal führte mich die Reise nicht direkt zum Skandinavienkai. Stattdessen setzte ich den Blinker Richtung Lübeck-Zentrum und fuhr in den Stadtteil St. Jürgen.

    Hier beginnt für mich die Welt von Lucy.

    Natürlich existiert die Figur nur auf dem Papier. Doch irgendwo zwischen den Straßen, den alten Häusern und den grünen Uferwegen liegt der Ort, an dem ich mir ihr Zuhause vorgestellt habe. Hierhin steuert Nick seine Ente. Hier wartet Lucy auf das nächste Wochenende. Und hier wurde aus einer realen Stadt nach und nach ein Schauplatz des Romans.

    Die Orte des Romans

    Im Laufe der Reise besuchte ich viele Orte, die Eingang in den Roman fanden. Einige davon werde ich in eigenen Beiträgen genauer vorstellen:

    • Travemünde
    • Priwall
    • Segelclub Passat
    • Strand
    • Passat (Viermastbark)
    • Lübeck
    • Wakenitz

    Warum reale Orte wichtig sind

    Viele der Orte in Go Your Own Way existieren tatsächlich. Die Priwall-Fähre. Die Passat. Die Promenade von Travemünde. Die Altstadt von Lübeck.

    Trotzdem ging es mir bei dieser Reise nicht darum, Straßennamen zu überprüfen oder Entfernungen nachzumessen.

    Viel wichtiger war eine andere Frage:

    Ist die Atmosphäre noch da?

    Kann man sie noch spüren?

    Orte verändern sich. Manchmal bleiben nur Fassaden zurück. Udo Lindenberg beschreibt die Reeperbahn einmal als eine „Kulisse für nen Film, der nicht mehr läuft“. Genau das wollte ich herausfinden: Ist die Atmosphäre noch da oder nur die Kulisse?

    Viele Orte haben sich verändert. Andere wirkten genau so, wie ich sie in Erinnerung hatte. Dazwischen lagen die spannendsten Entdeckungen dieser Reise.

    Ich wollte hören, wie der Wind zwischen den Masten pfeift. Ich wollte den Geruch von Meerwasser und Hafenluft wieder in der Nase haben. Ich wollte erleben, wie sich ein Spaziergang am Abend anfühlt, wenn die Lichter der Schiffe auf dem Wasser tanzen und irgendwo in der Ferne eine Fähre ablegt.

    Denn genau aus solchen Eindrücken entstehen Szenen.

    Nicht aus Stadtplänen oder Satellitenbildern.

    Als Autor kann man vieles recherchieren. Man kann Karten studieren, Fotos ansehen und Reiseberichte lesen. Aber das Gefühl eines Ortes lässt sich nur schwer aus zweiter Hand erleben.

    Manchmal reicht ein kurzer Moment, um sich wieder an etwas zu erinnern. Das Knarren eines Stegs. Das Kreischen einer Möwe. Das Geräusch einer Fähre beim Anlegen.

    Plötzlich ist eine Szene wieder da.

    Oder eine Figur.

    Oder ein Satz, den man längst vergessen glaubte.

    Die Reise nach Lübeck und Travemünde war deshalb weniger eine Recherche im klassischen Sinn. Sie war eher eine Rückkehr zu den Orten, aus denen die Welt von Go Your Own Way entstanden ist.

    Und siehe da:

    Es gab einige Überraschungen.

    In dem Kiefernwald stehen heute Ferienhäuser. Wo soll Nick heute seinen Schlafsack ausbreiten?

    Manche Orte wirkten beinahe unverändert. Die Passat liegt noch immer an ihrem Platz. Die Fähre pendelt weiterhin zwischen Travemünde und Priwall. Andere Schauplätze dagegen haben sich stärker verändert, als ich erwartet hatte.

    Besonders überrascht war ich vom Kiefernwald am Priwall. Im Roman verbringen Nick und Miriam dort ihre erste Nacht unter freiem Himmel. Heute prägt eine Ferienhaussiedlung große Teile des Geländes. Einige der alten Kiefern stehen noch immer dort. Doch die Frage ließ mich nicht los:

    Wo würde Nick heute eigentlich seinen Schlafsack in den Sand werfen?

    Mehr dazu in den folgenden Beiträgen über die Schauplätze von Go Your Own Way.

    Fazit

    Go Your Own Way ist eine erfundene Geschichte. Die Orte dahinter sind jedoch sehr real. Und vielleicht liegt genau darin ein Teil ihres Zaubers.

  • Wie aus einer Wochenendreise an die Ostsee eine Romanreihe wurde

    Wie aus einer Wochenendreise an die Ostsee eine Romanreihe wurde


    Manchmal weiß man schon im Moment selbst, dass etwas Besonderes passiert. Manchmal merkt man es erst Jahre später, wenn man zurückschaut und feststellt: Da hat etwas angefangen, das ich damals noch gar nicht benennen konnte.
    So war es bei mir mit einer unscheinbaren Wochenendreise ans Meer.

    Ein Wochenende, das eigentlich nur eine Auszeit sein sollte

    Am Anfang stand kein großer Plan, kein „Ich fahre jetzt los, um Material für einen Roman zu sammeln“. Es war einfach ein Wochenende: raus aus dem Alltag, ans Wasser, ans Meer. Egal wohin – Hauptsache weg, um mal etwas anderes zu sehen.

    1998 saß ich an einem Donnerstagabend vor der Webseite der Deutschen Bahn und recherchierte, welche Stadt am Meer am schnellsten mit dem Zug und dem „Schönes-Wochenende-Ticket“ zu erreichen war. In die engere Wahl kamen Wilhelmshaven an der Nordsee und Travemünde an der Ostsee.

    Nach einem Anruf in der Jugendherberge in Wilhelmshaven, bei dem ich nicht gerade freundlich behandelt wurde, entschied ich mich spontan, am darauffolgenden Tag mit Regionalbahnen nach Travemünde zu tingeln.

    Lübeck, Travemünde, die Nähe zur Ostsee – das waren für mich erst einmal nur Orte auf der Karte. Aber schon nach den ersten Augenblicken wurden sie zu Schauplätzen: alte Häuser, Kopfsteinpflaster, der Hafen, das Licht über dem Wasser, der Geruch von Salz und feuchtem Holz. Dazu diese Mischung aus Ruhe und Bewegung: Schüler, Studierende, Tourist:innen, Leute, die einfach „ihr Leben leben“ – genau diese Stimmung, die später in meinen Romanen wieder auftaucht.


    Proberaum, Gespräche, Musik – und die Frage: Was wäre, wenn …?

    Parallel dazu trug ich etwas völlig anderes mit mir herum: die alte Idee von „Belletristik mit Soundtrack“.

    Mit Anfang zwanzig hatte ich The Beatles – Die Geschichte ihrer Musik von Mark Hertsgaard gelesen. Im Vorwort fordert Hertsgaard seine Leser auf, die beschriebenen Songs während der Lektüre zu hören. Dieser Gedanke hat sich bei mir festgesetzt: Warum gibt es so etwas nicht auch in Romanform? Geschichten, die so stark mit Musik verbunden sind, dass man sie eigentlich mit einem Soundtrack liest.

    An der Ostsee fiel auf einmal vieles zusammen: die Orte, die Stimmung am Wasser, mein eigenes Leben zwischen Ausbildung und Musik – und diese alte Idee von erzählter Belletristik mit Soundtrack. Ich ertappte mich immer öfter bei dem Gedanken:

    Was wäre, wenn hier eine Clique wohnen würde? Eine Band. Eine WG. Und jemand, der von weit her kommt und sein Leben plötzlich mit anderen Augen sieht?

    Aus dem „Was wäre, wenn …?“ wurden Notizen. Aus Notizen wurden Szenen.


    Nick und Miriam betreten die Bühne

    Nick war zuerst gar nicht als „Romanheld“ gedacht. Er war eher eine Projektionsfläche, eine Kiste, die man mit Ideen füllt – jemand, der, so wie ich an diesem Wochenende, alles zum ersten Mal sieht und dabei merkt, wie sehr ihn das verändert.

    Nach und nach bekam Nick mehr Konturen:
    19 Jahre alt, aus einem fränkischen Dorf, mitten in Ausbildung und Routinen, die ihn nicht wirklich erfüllen. Dann diese Fahrt an die Ostsee. Ich hatte sie damals allein unternommen; aber wie wäre es gewesen, wenn meine „gute Bekannte“ aus dem Chorprojekt mitgekommen wäre? Sie hatte vor Kurzem diesen Gitarristen in einer Heavy-Metal-Cover-Band kennengelernt, der Maschinenbau studierte. Ein gemeinsamer Roadtrip könnte vielleicht ihre Meinung verändern …

    Was als kleine Kurzgeschichte über ein Wochenende begann, wurde immer größer. Mehr Figuren drängten sich ins Bild, wollten ihre eigene Perspektive: Lucy, Jonas, Chris, Mike und all die anderen. Ich merkte: Das ist kein einzelner Text. Das ist eine Welt.

    Doch irgendwann, in den Wirren meiner späten Teenagerzeit, blieb das Projekt liegen – obwohl der Plot in meinem Kopf eigentlich schon fertig war.

    Bis zum Juli 2025, um drei Uhr nachts, als der kleine Mann in meinem Kopf mich weckte und fragte:
    „Warum hast du die Geschichte nie zu Ende geschrieben? In deinem Kopf ist sie doch fertig. Schreib sie zu Ende. Jetzt!“


    Warum aus einem Buch eine Reihe wurde

    Je länger ich an Go Your Own Way gearbeitet habe, desto klarer wurde mir: Ein einziges Wochenende reicht nicht.

    Wenn wir ehrlich sind, endet die eigentliche Geschichte ja nicht, wenn zwei Menschen am Sonntagabend auseinandergehen, sich am Bahnhof verabschieden oder beschließen, „es mal zu versuchen“. Eigentlich fängt sie da erst an.

    Also tauchten ganz automatisch neue Fragen auf:

    • Was passiert nach diesem Wochenendtrip an die Ostsee?
    • Was passiert, wenn Nick zurück nach Lübeck kommt – diesmal nicht nur als Gast, sondern als Bassist einer Band?
    • Wie verändert sich alles, wenn Social Media, Auftritte, Erwartungsdruck und Entfernungen dazukommen?
    • Und was ist mit dem ersten gemeinsamen Alltag – einer eigenen Wohnung, einem Wochenende zu zweit, ohne Eltern und WG, aber mit allen Unsicherheiten im Gepäck?

    Aus diesen Fragen entstanden die Ideen für Band 2 (When I Come Around, Arbeitstitel) und Band 3 (Closer, Arbeitstitel).
    Aus einem Gefühl am Strand wurde der Kern einer Romanreihe: ein junger Mann, der über mehrere Stationen hinweg seinen Platz in der Welt sucht – mit Musik als rotem Faden.


    Wie viel Ostsee wirklich in den Romanen steckt

    Oft stellt sich die Frage: „Ist das alles wirklich so passiert?“ oder etwas abgeschwächt: „Gibt es diese Orte wirklich?“

    Die ehrliche Antwort ist ein „Ja, aber…“:

    • Ja, Lübeck und Travemünde, die Ostsee, der Hafen, der Strand, der Segelclub – all diese Orte haben reale Vorbilder. Aber …
    • Nein, das Travemünde in meinem Kopf, die Stadt die ich 1998 bereiste, gibt es nicht mehr. Viele Häuser wurden abgerissen, vieles hat sich verändert.
    • Nein, die Romane sind kein Reisebericht und kein exakter Stadtplan.

    Ich nehme Atmosphären, Bilder, Gerüche, Lichtstimmungen und verdichte sie. Ein Strandabschnitt rutscht ein paar Meter nach links, zwei reale Cafés verschmelzen zu einem neuen, WG-Grundrisse orientieren sich eher daran, wie sich Szenen gut erzählen lassen, als an realer Wohnraumsituation.

    Mir ist weniger wichtig, ob jemand sagen kann: „Ach, das muss genau diese Kreuzung dort und dort sein“, sondern eher: Fühlt sich dieser Ort beim Lesen echt an?
    Wenn Leser:innen das Meer riechen, die WG-Küche hören, das klebrige Gefühl von Proberaum-Luft kennen – dann stimmt für mich mehr als bei jeder perfekten Google-Maps-Rekonstruktion.


    Belletristik mit Soundtrack – wie die Musik in den Text kommt

    Zurück zu Mark Hertsgaard und den Beatles: Die Idee von „Belletristik mit Soundtrack“ ist nie wieder verschwunden.

    In meiner Schreibpraxis sieht das ungefähr so aus:

    • Viele Szenen entstehen, weil ein bestimmter Song etwas in mir anstößt – ein Bild, eine Stimmung, eine Erinnerung.
    • Manche Kapitel haben einen heimlichen „Titelsong“, der für mich beim Schreiben im Hintergrund läuft.
    • An einigen Stellen tauchen Titel und Musiker:innen direkt im Text auf: als Musik im Auto, in der WG, auf der Bühne oder nachts im Kopfhörer.

    Die Leseprobe auf meiner Seite – die Strandszene mit Nick und Miriam – ist ein gutes Beispiel dafür:
    Die Songs, die sie spielen, sind mehr als musikalische Deko. Sie erzählen mit. Die Songzeilen spiegeln Dinge, die die Figuren (noch) nicht aussprechen, und geben ihrer Beziehung eine zusätzliche Ebene. Ohne die Musik wäre die Szene eine andere.

    Trotzdem sollen die Romane auch ohne Playlist funktionieren. Aber wer möchte, kann sie irgendwann so lesen, wie Hertsgaard es mit seinem Beatles-Buch angeregt hat:
    Buch auf, Playlist an.


    Was von diesem Wochenende geblieben ist

    Wenn ich heute an dieses erste Wochenende in Lübeck und Travemünde zurückdenke, sehe ich nicht nur Straßen, Wasser und Häuser. Ich sehe Nick, wie er zum ersten Mal die WG betritt. Ich höre Gespräche am Küchentisch, Songs im Proberaum, das Rauschen der Brandung im Hintergrund. Ich sehe Figuren, die zur Tür hereinkommen, obwohl ich sie damals noch gar nicht kannte.

    Aus ein paar Tagen Auszeit ist ein Langzeitprojekt geworden: eine Romanreihe über Musik, Freundschaft, erste Liebe und den Mut, das eigene Leben wirklich in die Hand zu nehmen.

    Und manchmal denke ich: Es war gut, dass ich 1998 nicht ahnen konnte, was ich mit diesem Wochenendticket alles lostrete. Vielleicht wäre ich sonst nie losgefahren.


    Lust auf einen ersten Einblick?

    Wenn du neugierig geworden bist:

    • Auf der Seite „Bücher“ stelle ich die drei Projekte ausführlicher vor.
    • Unter „Leseprobe“ findest du einen Ausschnitt aus Go Your Own Way: ein Vormittag am Strand mit Nick und Miriam – Musik, Meer und ein Moment, der alles ins Rollen bringt.

    Vielleicht liest du ihn ja irgendwann mit einer passenden Playlist im Hintergrund.
    So hat für mich alles angefangen.