Kategorie: Radio & Musik

  • Mobiles Radio im Freibad Rosengarten / Rieden

    Mobiles Radio im Freibad Rosengarten / Rieden

    Manchmal entstehen Ideen nicht am Schreibtisch und auch nicht in einer Redaktionssitzung.

    Manchmal reichen ein Freibad, ein Aushang und ein Lied zur falschen Zeit.

    Im August war ich im Freibad in Rieden. Einige Animateure beschäftigten dort Kinder, nebenbei lief Musik. Soweit nichts Besonderes.

    Dann kam nach „Take on Me“ von a-ha plötzlich „Das rote Pferd“.

    Und irgendwo zwischen Synthiepop und Partyschlager entstand bei mir der Gedanke: Das müsste doch auch anders gehen. Nicht unbedingt lauter, nicht spektakulärer, sondern einfach besser kuratiert.

    Vom Beckenrand zur Idee

    Am Eingang des Freibads hatte ich zuvor Informationen über den Förderverein „Freibadfreunde Rosengarten“ und die aktuelle Situation des Bades gelesen. Beides fügte sich in meinem Kopf ziemlich schnell zusammen.

    Warum nicht Radio direkt aus dem Freibad machen?

    Nicht nur Musik abspielen, sondern eine richtige Livesendung. Mit Gesprächen, Musikwünschen und der Möglichkeit, den Förderverein und das Freibad selbst vorzustellen.

    Ich fragte beim Imbisspersonal, wie ich Kontakt zum Förderverein bekommen könnte.

    Die Antwort war überraschend unkompliziert: Ein Mitglied des Fördervereins stand gerade selbst an der Kasse.

    Also ging ich hin, stellte mich vor und erzählte von der Idee.

    Aus diesem kurzen Gespräch entstand schließlich die Planung für eine vierstündige Livesendung.

    Vorankündigung für das Event Mobiles Radio im Freibach Rieden

    Das Mobile Radio ist noch jung

    Für Radio StHörfunk ist die Sendung aus dem Freibad bereits die dritte Aktion mit unserem Mobilen Radio.

    Das Format gibt es erst seit diesem Jahr.

    Zuvor waren wir bereits in der Kunsthalle Würth und beim Haller Frühling unterwegs. Zwei sehr unterschiedliche Orte, aber genau das ist ein Teil der Idee dahinter.

    Radio muss nicht zwangsläufig im Studio stattfinden.

    Mit dem Mobilen Radio können wir dorthin gehen, wo Menschen gerade zusammenkommen. Wir können Gespräche führen, Atmosphäre aufnehmen und Radio sichtbar machen.

    Das Freibad ist dafür eigentlich ein ziemlich naheliegender Ort.

    Warum gerade das Freibad?

    Natürlich begann die Idee mit Musik.

    Aber ziemlich schnell wurde klar, dass es um mehr gehen kann.

    Das Freibad in Rieden befindet sich in einer besonderen Situation, und der Förderverein spielt für seine Zukunft eine wichtige Rolle. Eine Livesendung bietet deshalb die Möglichkeit, nicht nur für vier Stunden Musik an die Liegewiese zu bringen, sondern auch mit den Menschen ins Gespräch zu kommen, die sich dort engagieren.

    Gerade freies Radio lebt davon, nicht nur über Dinge zu berichten, sondern mitten hineinzugehen.

    Und vielleicht ist eine Sendung zwischen Schwimmbecken, Imbiss und Liegewiese dafür sogar geeigneter als ein perfekt abgeschirmtes Studio.

    Vorankündigung der Freibadfreunde Rosengarten für die Aktion

    Inzwischen steht auch der Ablauf

    Am Samstag, den 12. September, sendet Radio StHörfunk von 14 bis 18 Uhr live aus dem Freibad in Rieden/Rosengarten.

    Der ursprüngliche Gedanke war einfach: Musik, Gespräche und Wünsche aus dem Freibad.

    Inzwischen hat das Ganze etwas mehr Kontur bekommen.

    Zum Start der Sendung wird es zunächst eine Begrüßung direkt aus dem Freibad geben. Danach sollen möglichst schnell die ersten Badegäste zu Wort kommen und ihre Musikwünsche loswerden.

    Ein fester Bestandteil der Sendung wird außerdem ein Interview mit dem Vorstand des Fördervereins sein. Dabei soll es um die aktuelle Situation des Freibads gehen, um die Rolle des Vereins, die Zusammenarbeit mit der Gemeinde, mögliche Unterstützer und vor allem um die Frage, wie es mit dem Bad in den kommenden Jahren weitergehen kann.

    Die endgültigen Fragen entstehen bewusst gemeinsam mit dem Verein. Denn gerade bei einem Thema, bei dem Gemeinde, Betreiber, Finanzierung und Förderverein ineinandergreifen, ist mir wichtig, dass die Fakten stimmen und nicht eine zugespitzte Formulierung am Ende mehr Schlagzeile als Information produziert.

    Musikwünsche als Gesprächsöffner

    Die Idee, Menschen spontan nach ihren Musikwünschen zu fragen, ist für mich übrigens nicht ganz neu.

    Schon im vergangenen Jahr habe ich während einer Livesendung aus der Schwäbisch Haller Fußgängerzone Passantinnen und Passanten nach ihren Lieblingsliedern gefragt.

    Das Foto zu diesem Beitrag ist bei genau dieser Aktion entstanden.

    Damals hat sich ziemlich schnell gezeigt, wie gut Musik als Gesprächsöffner funktioniert. Man fragt nach einem Lieblingslied und bekommt oft viel mehr als nur einen Titel zurück: Erinnerungen, Geschichten, spontane Empfehlungen oder einfach ein überraschend gutes Gespräch.

    Im Freibad soll diese Idee jetzt weitergehen.

    Ihr wünscht, wir spielen

    Der größte Teil der vier Stunden soll trotzdem kein langes Gesprächsformat werden.

    Das Wunschkonzert bleibt das Herzstück.

    Wer im Freibad ist, kann zu unserem Radiostand kommen, einen Musikwunsch abgeben und vielleicht auch erzählen, warum gerade dieser Titel laufen soll.

    Ich möchte dabei möglichst wenig zwischen „Radiomachern“ und „Publikum“ unterscheiden. Wer etwas zu erzählen hat, darf ans Mikro. Wer einfach nur einen Song hören möchte, darf einen Song wünschen.

    Ein Teil davon soll unter dem kleinen Motto „Was hört das Freibad?“ laufen.

    Dabei geht es nicht nur um den nächsten Titel, sondern auch um die Frage, welche Musik gerade bei Jugendlichen, Familien, Stammgästen oder den Leuten am Kiosk auf den Kopfhörern läuft.

    Unterstützung am Mikrofon

    Ganz allein werde ich am Samstag vermutlich doch nicht am Mikrofon sitzen.

    Aus dem Förderverein kam die Frage, ob Luisa bei der Sendung mitmachen könne. Sie ist 13, interessiert sich für Moderation und Radio und hat bereits erste Erfahrungen gesammelt: Sie hat bei einem Musical-Konzert anmoderiert, im Studio gesungen und steht offenbar ganz gern vor einem Mikrofon.

    Für die Freibadsendung könnte das ziemlich gut passen.

    Geplant ist, dass Luisa im Laufe des Nachmittags Musikwünsche sammelt, mit Badegästen spricht und bei einzelnen Moderationen mit einsteigt. Gerade bei „Was hört das Freibad?“ kann ich mir das gut vorstellen.

    Wie genau wir ihre Rolle nennen, klären wir vor der Sendung noch intern.

    Und ganz pragmatisch: Eine 13-Jährige kommt wahrscheinlich leichter mit anderen Jugendlichen ins Gespräch als ein Chefredakteur jenseits der 40.

    Nicht jede Minute ist festgelegt

    Trotz Ablaufplan soll die Sendung bewusst Luft behalten.

    Ein paar Punkte stehen fest: der Start um 14 Uhr, das Interview mit dem Förderverein, eine Halbzeit-Moderation gegen 16 Uhr und natürlich der Abschluss kurz vor 18 Uhr.

    Dazwischen gibt es Wunschmusik, Gespräche, spontane Gäste und wahrscheinlich einige Dinge, die heute noch niemand vorhersehen kann.

    Genau das ist Absicht.

    Wenn ein Gespräch plötzlich zehn statt fünf Minuten dauert, dann dauert es eben zehn Minuten.

    Wenn sich fünf Leute gleichzeitig einen Song wünschen, wandert der nächste vorbereitete Programmpunkt nach hinten.

    Und wenn gerade niemand ans Mikro möchte, läuft eben Musik.

    Für diesen Fall gibt es inzwischen sogar eine kleine Reserveplaylist.

    Die reicht von Katrina & The Waves über Culture Club und Shakira bis zu Bobby Darins „Splish Splash“.

    Und weil die Freibadfreunde für den Nachmittag ein Currywurst-Special angekündigt haben, ist natürlich auch Herbert Grönemeyers „Currywurst“ inzwischen praktisch gesetzt.

    Manchmal schreibt das Programm sich eben selbst.

    Finale im Freibad

    Die Radiosendung findet nicht isoliert statt.

    Die Freibadfreunde machen aus dem Samstag zugleich ein kleines Finale im Freibad.

    Neben dem Radioprogramm gibt es unter anderem das Currywurst-Special, und auch wer nicht mehr ins Wasser springen möchte, kann vorbeikommen.

    Das könnte gerade Mitte September wichtig werden.

    Denn ob wir am Ende bei sommerlichen Temperaturen vor einer vollen Liegewiese senden oder mit einer kleineren, wetterfesten Runde, entscheidet wahrscheinlich erst der Samstag selbst.

    Aber eigentlich passt auch das ziemlich gut zum Mobilen Radio.

    Raus aus dem Studio

    Ich mag Radio gerade dann besonders, wenn es nicht vollkommen vorhersehbar ist.

    Im Studio kann man vieles kontrollieren. Draußen nicht.

    Dort gibt es Nebengeräusche, Menschen, spontane Situationen, Wetter und vermutlich auch den einen oder anderen Moment, den niemand vorher auf dem Ablaufplan hatte.

    Vielleicht wird genau deshalb aus vier Stunden Programm am Ende mehr als nur eine Sendung.

    Und vielleicht muss manchmal tatsächlich erst nach a-ha „Das rote Pferd“ laufen, damit eine neue Idee entsteht.

  • In der Chefredaktion gehts um Musik, Leute und Geschichten

    In der Chefredaktion gehts um Musik, Leute und Geschichten

    Gestern wurde ich in die Chefredaktion von Radio Sthörfunk gewählt. Das klingt nach „Amt“. Für mich fühlt es sich eher an wie: eine neue Tür geht auf.

    Das habe ich nicht gemacht, weil ich irgendeinen Titel brauche, sondern weil ich dadurch den Sendeplan mitgestalten kann und näher an das komme, was mich wirklich interessiert: die Menschen hinter der Musik.

    Mich beschäftigt schon lange weniger die Frage, was jemand hört, sondern warum.

    Warum machen Menschen Radio? Warum investieren sie Zeit, Herz und Nerven in eine Sendung? Warum genau diese Musik, dieses Genre, dieser Sound? Und warum ist ihnen so wichtig, das zu teilen, anderen näherzubringen, dafür zu brennen?

    Ein „Hör dir das mal an“ ist ja oft mehr als ein Tipp. Manchmal heißt es auch: „So fühle ich.“ Oder: „Das war wichtig für mich.“ Oder einfach: „Versteh mich kurz.“

    Genau das will ich kennenlernen: die Beweggründe, die Geschichten, die Eigenheiten. Und ja, das nimmt Einfluss auf mein Schreiben. Figuren werden glaubwürdiger, wenn ihre Musik nicht nur Deko ist, sondern ein Motiv hat. Szenen bekommen einen besseren Rhythmus, wenn ich verstehe, wann Musik trägt und wann Stille mehr sagt.

    Ich werde hier im Blog ab und zu festhalten, was ich dabei lerne, ohne Interna, ohne Namen, aber mit der Neugier, die mich da überhaupt reingezogen hat.