Kategorie: Radio & Musik

  • Mobiles Radio im Freibad Rosengarten / Rieden

    Mobiles Radio im Freibad Rosengarten / Rieden

    Manchmal entstehen Ideen nicht am Schreibtisch und auch nicht in einer Redaktionssitzung.

    Manchmal reichen ein Freibad, ein Aushang und ein Lied zur falschen Zeit.

    Im August war ich im Freibad in Rieden. Einige Animateure beschäftigten dort Kinder, nebenbei lief Musik. Soweit nichts Besonderes.

    Dann kam nach „Take on Me“ von a-ha plötzlich „Das rote Pferd“.

    Und irgendwo zwischen Synthiepop und Partyschlager entstand bei mir der Gedanke: Das müsste doch auch anders gehen. Nicht unbedingt lauter, nicht spektakulärer, sondern einfach besser kuratiert.

    Ankündigung der Live-Sendung von Radio StHörfunk im Freibad Rieden am 12. September 2026
    Vorankündigung für das Event Mobiles Radio im Freibad Rieden

    Vom Beckenrand zur Idee

    Am Eingang des Freibads hatte ich zuvor Informationen über den Verein „Freibadfreunde Rosengarten“ und die aktuelle Situation des Bades gelesen. Beides fügte sich in meinem Kopf ziemlich schnell zusammen.

    Warum nicht Radio direkt aus dem Freibad machen?

    Nicht nur Musik abspielen, sondern eine richtige Livesendung. Mit Gesprächen, Musikwünschen und der Möglichkeit, den Verein und das Freibad selbst vorzustellen.

    Ich fragte beim Imbisspersonal, wie ich Kontakt zu den „Freibadsendung“ bekommen könnte. Die Antwort war überraschend unkompliziert: Ein Mitglied des Vereins stand gerade selbst an der Kasse.

    Also ging ich hin, stellte mich vor und erzählte von der Idee.

    Aus diesem kurzen Gespräch entstand schließlich die Planung für eine vierstündige Livesendung.

    Das Mobile Radio ist noch jung

    Für Radio StHörfunk war die Sendung aus dem Freibad bereits die dritte Aktion mit unserem Mobilen Radio. Zuvor waren wir in diesem Jahr schon in der Kunsthalle Würth und beim Haller Frühling unterwegs.

    Genau solche unterschiedlichen Orte gehören zur Idee des Formats: Radio muss nicht zwangsläufig im Studio stattfinden. Wir können dorthin gehen, wo Menschen zusammenkommen, Gespräche führen, Atmosphäre aufnehmen und Radio sichtbar machen.

    Das Freibad bot dafür noch einen weiteren Anlass. Der Verein „Freibadfreunde Rosengarten“ engagiert sich für die Zukunft des Bades. Eine Livesendung konnte deshalb mehr sein als vier Stunden Musik auf der Liegewiese: Sie konnte auch den Menschen eine Stimme geben, die sich dort engagieren.

    Ankündigung der Freibadfreunde Rosengarten für das Mobile Radio im Freibad Rieden
    Vorankündigung der Freibadfreunde Rosengarten für die Aktion

    Vier Stunden waren geplant

    Am Samstag, den 12. September, sendete Radio StHörfunk von 14 bis 18 Uhr live aus dem Freibad in Rieden/Rosengarten.

    Geplant waren Musik, Gespräche und möglichst viele Wünsche direkt aus dem Freibad. Zu Wort kommen sollten der Vorstand der „Freibadfreunde Rosengarten“, der Bürgermeister der Gemeinde und natürlich die Badegäste selbst.

    Ein Teil davon lief unter dem kleinen Motto „Was hört das Freibad?“.

    Die Idee, Menschen spontan nach ihren Musikwünschen zu fragen, war für mich nicht ganz neu. Schon im vergangenen Jahr hatte ich während einer Livesendung aus der Schwäbisch Haller Fußgängerzone Passantinnen und Passanten nach ihren Lieblingsliedern gefragt. Das Foto zu diesem Beitrag ist bei genau dieser Aktion entstanden.

    Damals zeigte sich, wie gut Musik als Gesprächsöffner funktioniert. Man fragt nach einem Lieblingslied und bekommt oft mehr als nur einen Titel zurück: Erinnerungen, Geschichten, Empfehlungen oder einfach ein überraschend gutes Gespräch.

    Im Freibad sollte diese Idee weitergehen.

    Und diesmal blieb es nicht bei der Planung.

    Aufbau mit Blick aufs Wasser

    Bereits im Vorfeld hatte ich die „Freibadfreunde Rosengarten“ um Unterstützung beim Aufbau gebeten.

    Vor Ort packte dann auch Bademeister Sebastian tatkräftig mit an. Gemeinsam wurden Technik ausgeladen und Tische aufgestellt.

    Der Sendeplatz war schnell gefunden: keine fünf Meter vom Beckenrand entfernt.

    Meine anfänglichen Bedenken wegen Spritzwasser und dauerhaftem Wellenrauschen im Mikrofon erwiesen sich als unbegründet. Der Platz funktionierte erstaunlich gut.

    So konnten wir den Stream ins Studio rechtzeitig starten.

    Das Mobile Radio war sendebereit.

    Nicht allein am Mikrofon

    Ganz allein musste ich die vier Stunden glücklicherweise nicht bestreiten.

    Mit dabei waren meine „reizende Assistentin“ Luisa und mein Radiokollege Rolf Läpple.

    Luisa mit Mikrofon bei der Live-Sendung von Radio StHörfunk im Freibad Rieden
    Meine „reizende Radioassistentin Luisa“
    Radiomacher Rolf Läpple bei der Live-Sendung im Freibad Rieden
    Rolf Läpple von der Sendung „Akademie der Weltmarktverlierer“

    Rolf kennen viele Hörerinnen und Hörer von Radio StHörfunk aus der Sendung „Akademie der Weltmarktverlierer“, in der er sich regelmäßig mit politischen und gesellschaftlichen Themen beschäftigt. Für diesen Nachmittag tauschte er die Weltpolitik allerdings gegen Freibad, Badehose und spontane Interviews.

    Das passte erstaunlich gut.

    Rolf erwies sich nämlich als ausgesprochen kreativ darin, neue Gesprächspartner aufzuspüren. Neben den ohnehin vereinbarten Interviews mit dem Vorstand der Freibadfreunde und dem Rosengartener Bürgermeister Julian Tausch entstanden so weitere Gespräche mit dem Bademeister, dem Kioskpersonal und einem Stammgast des Freibads.

    Auch Luisa zeigte sich sehr sicher am Mikrofon.

    Gerade bei jüngeren Gästen war sie eindeutig näher dran als ich. Sie sprach Kinder und Jugendliche am und im Schwimmbecken an, sammelte Wünsche und brachte immer wieder neue Stimmen in die Sendung.

    Aus dem ursprünglich geplanten Ablauf entwickelte sich dadurch zunehmend eine Sendung, die tatsächlich vom Ort selbst getragen wurde.

    Gespräche mit Bürgermeister und Freibadsendung

    Zu den fest eingeplanten Gesprächspartnern gehörte auch der Rosengartener Bürgermeister Julian Tausch.

    Er bedankte sich ausdrücklich für die zusätzliche Öffentlichkeit, die das Freibad durch die Sendung bekam, und erwies sich als angenehm unkomplizierter Gesprächspartner.

    Eine kleine musikalische Stolperfalle gab es trotzdem.

    Auf die Frage nach seinem Lieblingssong von Elton John fiel ihm der Titel zunächst nicht ein. Gemeint war „Tiny Dancer“, genannt wurde aber erst einmal „Let’s Dance“.

    Knapp daneben. Und streng genommen sogar bei David Bowie gelandet.

    Solche Momente sind mir bei Live-Radio fast lieber als perfekt vorbereitete Antworten. Sie machen ein Gespräch menschlich.

    Auch der Vorstand der „Freibadfreunde Rosengarten“ kam ausführlich zu Wort. Eva und Gabi sprachen über die aktuelle Situation des Freibads, die Arbeit des Vereins und die Frage, wie es mit dem Bad in den kommenden Jahren weitergehen kann.

    Besonders gefreut hat mich, dass die Zusammenarbeit offenbar nicht als einmalige Aktion gesehen wird.

    Für die Saisoneröffnung im kommenden Jahr wünschen sich Eva und Gabi bereits eine erneute Kooperation mit Radio StHörfunk.

    Damit könnte aus der dritten Aktion unseres Mobilen Radios im Freibad vielleicht sogar etwas Wiederkehrendes werden.

    Vom Rockklassiker bis zur Schwäbischen Eisenbahn

    Luisa interviewt junge Badegäste im Freibad Rieden zu ihren Musikwünschen
    Luisa interviewt junge Badegäste und fragt nach Liedwünschen

    Auch das Wunschkonzert wurde gut angenommen.

    Noch vor Sendungsbeginn brachte mir Luisa einen ersten Zettel mit Musikwünschen. Dabei blieb es nicht. Im Laufe des Nachmittags kamen immer wieder neue dazu.

    So wurde das Musikprogramm deutlich bunter, als es jede vorbereitete Playlist hätte sein können.

    Neben Sommerhits und Rockklassikern liefen Jazz, Kinderlieder und Liedermacher.

    Und irgendwann sogar „Auf der Schwäbischen Eisenbahn“.

    Genau das war eigentlich die Idee hinter dem Wunschkonzert: nicht vier Stunden lang meinen eigenen Musikgeschmack über die Liegewiese zu verteilen, sondern hören, was das Freibad selbst hören möchte.

    Besonders gefreut hat mich dabei eine Rückmeldung nach der Sendung.

    Eine Schwimmerin erzählte mir, dass sie zunächst gar nicht kommen wollte. Sie hatte Sorge, die Musik könnte zu laut sein oder man würde als Badegast ständig mit Interviewfragen bedrängt.

    Am Ende bedankte sie sich persönlich für die angenehme musikalische Begleitung beim Bahnenziehen.

    Für mich war das eines der schönsten Komplimente des Nachmittags.

    Pommes bitte, direkt in der Sendung

    Frische Pommes am mobilen Sendeplatz von Radio StHörfunk im Freibad Rieden
    frische Pommes direkt in der Sendung

    Ein kleiner Luxus dieser Außenübertragung zeigte sich ebenfalls ziemlich schnell.

    Als Moderator während der laufenden Sendung über das Mikrofon on air Pommes und kühle Getränke bestellen zu können, dürfte ziemlich weit oben auf der Wunschliste vieler Radiomacher stehen.

    Manche Vorteile des Mobilen Radios findet man eben in keinem Technikhandbuch.

    Freibad-Bilderbuchwetter

    Auch das Wetter spielte mit.

    Bei ungefähr 22 bis 25 Grad herrschte für Mitte September beinahe Bilderbuchwetter, und selbst die Wassertemperatur lag bei rund 22 Grad.

    Technisch lief ebenfalls fast alles problemlos.

    Der Stream pufferte zwischendurch gelegentlich, größere Ausfälle oder andere technische Schwierigkeiten gab es aber nicht.

    Für vier Stunden Live-Radio direkt am Beckenrand ist das eine Bilanz, mit der ich sehr gut leben kann.

    So muss Bürgerradio sein

    Was bleibt also von der dritten Aktion unseres Mobilen Radios?

    Für mich vor allem ein Gedanke:

    So muss Bürgerradio sein. Nah an den Menschen und nah an ihren Alltagsthemen.

    Nicht nur über Menschen sprechen, sondern mit ihnen.

    Nicht darauf warten, dass jemand ins Studio kommt, sondern dorthin gehen, wo das Leben stattfindet.

    Im Freibad bedeutete das an diesem Nachmittag: Bürgermeister, Vereinsvorstände, Bademeister, Kioskpersonal, Stammgäste, Jugendliche und Kinder standen am selben Radiotisch oder kamen zumindest für ein paar Minuten ans Mikrofon.

    Und ganz nebenbei interessierten sich zwei oder drei Besucher sogar dafür, selbst einmal einen möglichen Sendeplatz bei Radio StHörfunk zu übernehmen.

    Das war für mich das Sahnehäubchen der ganzen Aktion.

    Denn wenn aus einer mobilen Radiosendung nicht nur vier Stunden Programm entstehen, sondern vielleicht sogar neue Stimmen fürs Radio, dann hat sie mehr erreicht als ursprünglich geplant.

    Raus aus dem Studio

    Ich mag Radio gerade dann besonders, wenn es nicht vollkommen vorhersehbar ist.

    Im Studio kann man vieles kontrollieren. Draußen nicht.

    Dort gibt es Nebengeräusche, Menschen, spontane Situationen, Wetter, Liedwünsche auf kleinen Zetteln und Interviewpartner, die fünf Minuten vorher noch niemand auf dem Ablaufplan hatte.

    Genau deshalb wurde aus den vier Stunden im Freibad mehr als nur eine Sendung.

    Und vielleicht muss manchmal tatsächlich erst nach A-ha „Das rote Pferd“ laufen, damit eine neue Idee entsteht.

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  • In der Chefredaktion gehts um Musik, Leute und Geschichten

    In der Chefredaktion gehts um Musik, Leute und Geschichten

    Gestern wurde ich in die Chefredaktion von Radio Sthörfunk gewählt. Das klingt nach „Amt“. Für mich fühlt es sich eher an wie: eine neue Tür geht auf.

    Das habe ich nicht gemacht, weil ich irgendeinen Titel brauche, sondern weil ich dadurch den Sendeplan mitgestalten kann und näher an das komme, was mich wirklich interessiert: die Menschen hinter der Musik.

    Mich beschäftigt schon lange weniger die Frage, was jemand hört, sondern warum.

    Warum machen Menschen Radio? Warum investieren sie Zeit, Herz und Nerven in eine Sendung? Warum genau diese Musik, dieses Genre, dieser Sound? Und warum ist ihnen so wichtig, das zu teilen, anderen näherzubringen, dafür zu brennen?

    Ein „Hör dir das mal an“ ist ja oft mehr als ein Tipp. Manchmal heißt es auch: „So fühle ich.“ Oder: „Das war wichtig für mich.“ Oder einfach: „Versteh mich kurz.“

    Genau das will ich kennenlernen: die Beweggründe, die Geschichten, die Eigenheiten. Und ja, das nimmt Einfluss auf mein Schreiben. Figuren werden glaubwürdiger, wenn ihre Musik nicht nur Deko ist, sondern ein Motiv hat. Szenen bekommen einen besseren Rhythmus, wenn ich verstehe, wann Musik trägt und wann Stille mehr sagt.

    Ich werde hier im Blog ab und zu festhalten, was ich dabei lerne, ohne Interna, ohne Namen, aber mit der Neugier, die mich da überhaupt reingezogen hat.

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