„Wie schön, wär´ die Schule, wenn nur keine Schüler da wären“ sagte letztes Jahr ein Kollege in Lehrerzimmer in Kelheim zu mir. Und siehe da, ein Jahr später haben wir bereits zum zweiten Mal genau diese Situation. Seit die Schulen am Mittwoch geschlossen wurden, findet Unterricht entweder über mitgegebene Arbeitsblätter und Aufträge, oder via Video-Konferenzen statt.

Arbeitsaufträge und deren Korrektur (Wo ist der Lernerfolg?):

Gestern und Heute trudelten die ersten ausgefüllten und abfotografierten Arbeitsblätter in mein E-Mail-Postfach. Und nun??? Etwa die Hälfte der Aufgaben sind richtig. Teilweise kann ich zurückschreiben: „Schau es dir nochmal an!“, aber oft merke ich eben, dass da ein Jugendlicher zuhause sitzt und nicht weiterkommt. Über die Distanz (schriftlich via E-Mail) ist erklären schwierig. (In der Uni sollten wir mal mal versuchen, jemandem schriftlich zu erklären wie er ein Papierschiffchen faltet. Nahezu aussichtslos!) Wie man eine mathematische Formel umstellt verstehen manche Schüler schon im normalen Unterricht nicht. Geschweige denn alleine zu Hause. Also warten wir eben den Lockdown und die Ferien ab.

Video-Konferenzen und die digitale Demenz:

„Schule ist Theater“ von Martin Krämer ist ein hervorragendes Buch über Methoden des Theaters im Unterricht. Dort wird der Schulunterricht immer wieder mit dem Theater verglichen. Auftritt Lehrer, Monologe, Requisiten, etc. Wir alle kennen sicher hervorragende Theaterschauspieler, die in Spielfilmen und Kinos einfach matt und farblos rüberkommen. Genauso ist es mit dem Unterricht via Videokonferenz. Ich bin eben gerne im Unterricht präsent, um mit meiner Aura den Schüler notfalls mitreißen und begeistern zu können. Über den Bildschirm geht das nicht so einfach. Klar gibt es Schul-Themen, die mit Computer auf dem Schoß einfacher sind. Darum habe ich schon vor einiger Zeit in der BVB-Maßnahme mit Filmanalysen im Deutschunterricht begonnen. Kurzfilme als Beispiele und Lernvideos zum Thema gibt es zu Hauf (Beispiel: BR – Filme verstehen). Aber dennoch lassen sich die Schüler am PC leichter ablenken. Sie kennen diese Umgebung eben oft vom Zocken aber bei mir sind sie im Unterricht und nicht im Discord oder Teamspeak-Server. Hinzu kommt, dass sich die Fehlzeiten häufen, da viele anscheinend davon ausgehen, dass sie sich bereits in den Ferien befinden. Klar, sie sind ja auch Zuhause! Die Disziplin im Homeoffice ist für Arbeitnehmer eine Herausforderung. Für Schüler aber eine total neue Erfahrung, mit der nicht wenige überfordert sind.

Zum Ende empfehle ich jedem noch den Vortrag von Prof. Manfred Spitzer (Neurowissenschaften und Lernen)

Ich bin sicher kein Zukunftsverweigerer. Aber ich bin Lehrer geworden, weil ich Schüler für die reale Welt begeistern will und sie ihnen erklären möchte. Durch Lernen am Computer verringern wir die Aufmerksamkeitsspanne und die Lernfähigkeit des Gehirns.