… für de deutsche Vaterschaft, danach lasst uns alle Sterben …

Das Grundgesetz sorgte heute Lesebegeisterung und einige Stilblüten

Heute waren in LWK die Grundrechte dran. Jeder Schüler erhielt sein eigenes Exemplar des Grundgesetzes, was spontan zum Schmökern und Querlesen führte. „Stehen da auch die Rechte der Jugendlichen gegenüber der Wohngruppe drin?“ war eine der ersten Fragen an mich. Als ich wenig später mit dem Tafelanschrieb (Thema der Stunde) anfing, kam sogar die Aussage „Ich kann nicht mitschreiben, des Buch is so interessant!“

Haarwachs und die freie Entfaltung der Persönlichkeit

Die SchülerInnen merkten schnell, dass die Wortwahl nicht dem entspricht, was sie vom Schwäbisch Haller ZOB kennen. Worte wie „Würde“, „unantastbar“ „unveräußerlich“ oder „Sittengesetz“ konnten sie aber gut umschreiben und erklären („Unantastbar heißt, man darf nicht dran rütteln und den anderen nicht schlagen!“).

Die Persönlichen Freiheitrechte in Artikel 2 waren ebenfalls kein Problem. „Niemand darf mir vorschreiben, wie ich meine Frisur tragen soll. Und wenn ich mir ne Glatze schneiden lass`, ist das mein Problem!“ kam es aus der Klasse. Die Antwort des Banknachbarn „… dann nimm halt Haarwachs, dann wachsen sie wieder schneller!“, sorgte für allgemeines Gelächter. Artikel 3 mit Gleichheit vor dem Gesetz lief wie geschnitten Brot, immerhin besteht die Klasse zu 4/5 aus weiblichen Schülern.

Die Männer mussten mit 80 zur Bundeswehr?

In Artikel 4 interessierte vor allem das restliche Fünftel der Klasse die Sache mit dem Gewissen und dem Kriegsdienst an der Waffe. Für die heutigen Jugendlichen ist es nahezu unvorstellbar, dass ich am 18ten Geburtstag Post von der Bundewehr bekam, gemustert wurde und verweigern musste, da ich sonst 10 Monate beim 3. schweren Pionierbataillon zugebracht hätte. Natürlich waren einzelne Mädels hier nur mit halbem Ohr dabei. das merkte ich bei der Nachfrage: „Alle deutschen Männer mussten mit 80 Jahren zur Bundeswehr?“

Auf der Rückseite des Büchleins ist die deutsche Nationalhymne abgedruckt. Beim Versuch den Text vorzulesen, kam es bereits zu Situationen die eigentlich lustig wären, wenn es sich nicht um 16jährige deutsche Jugendliche gehandelt hätte, die ihre eigene Nationalhymne nicht kennen. Alleine das der Großteil den ersten Vers (Einigkeit und Recht und Freiheit) nicht auswendig wusste, machte mir sorgen. Aber es kam noch schlimmer. Vorleseversuche endeten mit „danach lasst uns alle sterben“ „Brühe deutsches Vaterland“, „Für de deutsche Vaterschaft“ „Herr Arndt, warum steht da was mit Pfand?“

Nächste Stunde sprechen wir also über die deutschen Nationalsymbole u. a. die Nationalhymne. In der darauffolgenden Stunde erfolgt eine schriftliche Abfrage.